Translationsallianz

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Was ist Translation?

 

Translationale Forschung bildet die Schnittstelle zwischen Grundlagenforschung und der klinischen Entwicklung. Neueste Ergebnisse der Grundlagenforschung sollen so auf kurzen Wegen zu neuen Therapien oder Diagnoseverfahren für Patienten führen. Und gleichzeitig werden Fragen, die bei der klinischen Arbeit entstehen von Grundlagenforschern bearbeitet.

 

 

 

News

26.09.2013

Neuer Wirkmechanismus von therapeutischen CD4 Antikörpern entdeckt

Vielversprechenden Ansatz zur Behandlung von Autoimmunkrankheiten

Ein gesundes Immunsystem schützt uns täglich vor Angriffen durch Krankheitserreger. Gerät unsere Abwehr jedoch aus dem Gleichgewicht und die Immunzellen richten sich gegen körpereigene Gewebe, entsteht eine Autoimmunerkrankung. Die Behandlung von Morbus Crohn, Rheumatoider Arthritis oder Multipler Sklerose - um nur einige Autoimmunerkrankungen zu nennen - ist langwierig und hat viele schwere Nebenwirkungen. Einen neuen vielversprechenden Ansatz verfolgen Mediziner mit so genannten CD4 blockierenden Therapeutischen Antikörpern, die sich teilweise schon in der klinischen Erprobung befinden. Wissenschaftler des TWINCORE in Hannover haben nun einen Wirkmechanismus entdeckt, der neue Perspektiven für diese Antikörpertherapie eröffnet.

 

Es gibt Hunderte von Autoimmunerkrankungen und drei Hauptgruppen aus der Immunzellriege spielen bei deren Entstehung eine zentrale Rolle: Dendritische Zellen, T-Helferzellen und Regulatorische T-Zellen. Dendritische Zellen erkennen und verarbeiten Krankheitserreger sowie körpereigene Bestandteile und geben die Information an T-Helferzellen weiter. Diese leiten dann die Abwehr gegen die als gefährlich eingestuften Zellen ein. Regulatorische T-Zellen haben die Aufgabe, die Reaktionen des Immunsystems zu bremsen, damit die Immunzellen nicht übereifrig den eigenen Organismus schädigen. Und irgendwo in diesem System schleicht sich bei einer Autoimmunerkrankung ein Fehler ein. Alle diese Zelltypen haben eins gemeinsam: Sie tragen CD4-Rezeptoren auf ihrer Oberfläche und an diesen Rezeptoren greifen die neuen Therapeutischen Antikörper an. Sie blockieren den CD4-Rezeptor. Was dann genau in der Immunkaskade geschieht? Das ist noch nicht klar.

 

"Die Behandlung mit CD4-Antikörpern ist deshalb so interessant", erklärt Dr. Christian Thomas Mayer vom Institut für Infektionsimmunologie am TWINCORE, "weil sich Immunreaktionen damit wahrscheinlich selektiver ausschalten lassen und somit die gewünschte Immunreaktion auf Infektionserreger erhalten bleibt." Der Grund: es werden nur übereifrige Immunzellen zum Zeitpunkt der Behandlung durch den Antikörper gebremst. Bei einer Autoimmunerkrankung würden genau diese die Krankheit auslösen und die Behandlung sorgt dafür, dass das Immunsystem den Auslöser dieser falschen Immunreaktion zu tolerieren lernt. Später eintreffende Fremdkörper wie etwa Krankheitserreger würden dann - theoretisch - vom Immunsystem wieder bekämpft werden.

 

Bislang gingen die Wissenschaftler davon aus, dass besonders die CD4-Rezeptoren auf den Regulatorischen T-Zellen für diese Toleranz zuständig sind. "Wir haben die Therapie mit CD4-Antikörpern nun mit Mäusen getestet, die eine starke Autoimmunerkrankung zeigen, aber gar keine Regulatorischen T-Zellen besitzen", sagt Christian Thomas Mayer. Diese Mäuse haben im Prinzip die gleiche Erkrankung wie Menschen mit dem IPEX-Syndrom. Das ist eine schwere Autoimmunerkrankung, die unbehandelt schon im frühen Kindesalter zum Tod führt. Der TWINCORE-Wissenschaftler hat beobachtet, dass die CD4-Antikörper auch direkt auf die T-Helferzellen wirken, also unabhängig von den Regulatorischen T-Zellen sind. Damit stehen für die Behandlung von Autoimmunerkrankungen, bei denen die Regulatorischen T-Zellen blockiert sind oder ganz fehlen, neue Möglichkeiten offen. "Es wäre sogar denkbar, die Therapie mit CD4-Antikörpern mit einer Stärkung der Regulatorischen T-Zellen zu kombinieren", so der Immunologe. "Als nächstes müssen wir nun untersuchen, ob es möglich ist, durch eine solche Kombinationstherapie die Autoimmunerkrankung zu beherrschen, ohne die Infektabwehr zu unterdrücken", sagt Prof. Tim Sparwasser, Direktor des Instituts für Infektionsimmunologie am TWINCORE. Das hätte noch einen spannenden Nebeneffekt: Auch für Transplantationen wäre diese CD4-Antikörper Behandlung sehr interessant. Wenn gleichzeitig mit dem fremden transplantierten Organ über die CD4-Rezeptoren gezielt Toleranz für dieses fremde Gewebe beim Immunsystem erzeugt werden könnte, wäre es nicht länger nötig, nach Transplantationen das gesamte Immunsystem zu unterdrücken.

 

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des TWINCORE

21.10.2017