Nicht-kodierende RNA für das kardiovaskuläre System

Kardiovaskuläre Erkrankungen sind weltweit die Todesursache Nr. 1 – es sterben mehr Menschen an kardiovaskulären Erkrankungen als an Krebs. Gesucht sind neue Therapien, die Menschen mit Herzerkrankungen helfen können.

Thomas Thum setzt bei der Entwicklung einer neuartigen Therapie auf nicht-kodierende RNA Moleküle. Das sind Bausteine unseres Genoms, die nicht für den Bau von Proteinen verwendet werden, sondern Vorgänge in der Zelle regulieren. Sein Team analysiert unser genetisches Material nach RNA Stücken in uns, die besonders wichtig für die Steuerung unseres Herz-Kreislauf-Systems sind und damit mögliche Anlaufstellen für eine verbesserte Behandlung kardiovaskulärer Erkrankungen bieten. Das Ziel sind neue Herzmedikamente, die genau diese RNA-Regulatoren in unserem Erbgut ansprechen und damit die Herzfunktion steuern können.
Herzversagen wird meist durch akuten Stress des Herzens ausgelöst: Ein Herzinfarkt oder Bluthochdruck sind Faktoren, die auf Dauer das Herz schwächen. Die schwindende Kraft der Pumpe kompensiert das Herz, indem es versucht das gepumpte Blutvolumen zu vergrößern. Die Folge ist ein Teufelskreis: das Herz wächst und überfordert sich damit zunehmend selbst. „Unser Ziel ist, das pathologische Wachstum des Herzes durch neue Medikamente zu limitieren“, sagt Thomas Thum. „Nach 15 Jahren Entwicklung hoffen wir, in den nächsten Jahren anwendungsreife Medikamente zur Verfügung stellen zu können.“

Eine wichtige Basis dieser erfolgreichen Entwicklung sind hochmoderne Technologien – vor allem High-throughput Verfahren – und eine internationale Vernetzung der Forschungsgruppe. Die Forschenden arbeiten mit Kolleginnen und Kollegen innerhalb der MHH mit Beteiligung an dem Exzellenzcluster Rebirth und anderen Verbünden zusammen, aber auch mit Partnern aus dem Fraunhofer ITEM. Herzstück der Medikamentenentwicklung ist eine Ausgründung: Cardior Pharmaceuticals GmbH hat die Aufgabe, einige der in der MHH identifizierten RNA-Zielstrukturen für die Herztherapie in Medikamente und Anwendungen für Menschen zu überführen.
Diese Kombination aus Vernetzung innerhalb des Standortes, der Umsetzung eines Forschungsprojektes in eine Anwendung und der Überführung dieser Anwendung in den Markt, um sie Menschen zugänglich zu machen, prädestiniert die Forschung Thomas Thums zu einem TRAIN Project. Dieses TRAIN Project erweitert damit die translationale Expertise des TRAIN Verbundes um den letzten Schritt der Überführung von Forschung in die Anwendung: Die Ausgründung und damit die Bereitstellung eines Forschungsproduktes für die Patientinnen und Patienten.

Prof. Dr. Dr. Thomas Thum

Cardior Pharmaceuticals GmbH
Feodor-Lynen-Str.15
30625 Hannover

Phone: +49 (0)511-33 85 99 30

E-mail

  • Fraunhofer ITEM unterstützt das TRAIN Project mit seiner Expertise in der GLP-konformen Entwicklung, der Sicherheitsprüfung und Toxikologie.
  • Die Leibniz Universität Hannover mit dem Institut für Organische Chemie kooperiert im Bereich Screening von Wirkstoffbibliotheken.
  • Am NIFE führen die Forschenden laserbasierte Transfektionen nicht-kodierender RNAs innerhalb des Projektes durch.
  • Die Tierärztliche Hochschule Hannover unterstützt die Entwicklung von Großtiermodellen.